CeramCheck v3.0

Polychrome Iznik-Schale

16. Jahrhundert · Osmanische Türkei · Analyse von AntiqBot

Eine polychrome Schale mit Saz-Blättern, Nelken und türkisblauen Akzenten, angeboten als osmanische Iznik-Keramik aus dem 16. Jahrhundert. AntiqBot untersuchte das Objekt mit CeramCheck auf Authentizität, Datierung und Marktwert.

Objekttyp
Polychrome Schale (Steingut)
Periode
16. Jahrhundert, ca. 1550–1600
Herkunft
Osmanische Türkei, vermutlich Iznik
Modul
CeramCheck v3.0
Urteilsstufe 2
Wahrscheinlich authentisch
Starke Authentizitätsindikatoren vorhanden. Absolute Gewissheit erfordert eine physische Untersuchung oder eine Thermolumineszenzdatierung.
Wertindikation
€5,000 – €8,000
Basierend auf vergleichbaren Auktionsergebnissen bei Christie's, Bonhams und Sotheby's (2022–2025). Eine außergewöhnliche Provenienz oder ein erstklassiger Erhaltungszustand kann den Wert erheblich steigern.

Was ist Iznik-Keramik?

Iznik ist der Name einer Stadt im Nordwesten der Türkei, die früher das Zentrum der osmanischen Keramikproduktion war. Zwischen ungefähr 1480 und 1700 wurde hier Keramik gebrannt, die zu den begehrtesten Keramiken der Welt zählt. Die Produktion durchlief eine klare Entwicklung: Frühe Stücke (ca. 1480–1525) waren blau-weiß und stark von chinesischem Porzellan beeinflusst. Um 1530 erschien Türkis als dritte Farbe. Die goldene Periode (ca. 1555–1600) führte die charakteristische polychrome Palette ein: Kobaltblau, Türkis, Salbeigrün und das berühmte Tomatenrot.

Dieses Tomatenrot, technisch ein armenisches Boluspigment (ein eisenreicher roter Engobeauftrag), ist das markanteste Merkmal authentischer Iznik-Keramik aus dem 16. Jahrhundert. Das Pigment wurde als dicker Auftrag aufgebracht und hebt sich beim Brennen leicht über die Glasuroberfläche. Fälscher haben dieses Merkmal nie vollständig reproduziert: Es erfordert eine spezifische Tonzusammensetzung, Brenntemperatur und Pigmentkonzentration, die in der modernen Produktion selten zusammenkommen.

Der keramische Scherben ist Frittware, nicht gewöhnlicher roter Ton. Frittware enthält einen hohen Anteil an Quarz, gemahlenem Glas und weißbrennendem Ton, was einen hellen, fast gelblichen Kern ergibt. Dies unterscheidet authentisches Iznik von vielen Imitationen des 19. Jahrhunderts, einschließlich Samson Paris und Cantagalli Florence, sowie von modernen türkischen Reproduktionen, die einen schwereren, dichteren Scherben haben.

Wie CeramCheck dieses Objekt untersuchte

CeramCheck analysiert osmanische und osteuropäische Keramik anhand eines mehrstufigen Protokolls. Für Iznik sind sieben Untersuchungsbereiche relevant:

01
Scherbenzusammensetzung
Indikatoren für Frittware: Farbe des Kerns an Bruchflächen, relatives Gewicht, Transluzenzprofil bei Streiflicht.
02
Glasureigenschaften
Klare, glatte Glasurschicht, typisch für Iznik des 16. Jahrhunderts. Gelbe oder getönte Glasurfarbe weist auf spätere Produktion hin.
03
Tomatenrot (Bolus)
Erhabenes Relief über der Glasuroberfläche ist das stärkste Authentizitätssignal. Flaches Rot weist auf eine Imitation des 19. Jahrhunderts oder eine moderne Reproduktion hin.
04
Farbpalette
Vergleich mit der dokumentierten Iznik-Palette je Periode. Kobaltblau, Türkis und Grün sind periodenspezifisch.
05
Dekorative Motive
Saz-Blätter, Tulpen, Nelken, Wolkenbänder: ikonografische Analyse auf zeitliche Konsistenz und Ausführungsqualität.
06
Analyse von Standring und Unterseite
Standring, Brennspuren, Sandkörner auf der Unterseite und etwaige Restaurierungsspuren. Authentische Stücke zeigen spezifische Brennspuren.
07
Patina und Abnutzung
Glasurkrakelee, Abnutzung der Randdekoration und Verfärbungen im Einklang mit 400+ Jahren Nutzung und Lagerung.

Ergebnisse dieser Analyse

Auf Grundlage der eingereichten Fotoserie bewertete CeramCheck die folgenden Indikatoren:

Warum Stufe 2 und nicht Stufe 1?

Ein Urteil der Stufe 1 ("Authentisch") erfordert, dass die Analyse alle kritischen Indikatoren ohne Widersprüche bestätigt. In diesem Fall können zwei Elemente nicht allein anhand von Fotografien beurteilt werden: der Standring mit möglichen Brennspuren und die Dicke des roten Boluspigments unter der Glasur. Beide erfordern physischen Kontakt mit dem Objekt, vorzugsweise kombiniert mit UV-Licht zur Erkennung von Restaurierungen.

Dies ist kein Warnsignal. Es ist die Grenze dessen, was eine Fotoanalyse zuverlässig feststellen kann. Das Urteil "Wahrscheinlich authentisch" zeigt an, dass die verfügbaren Indikatoren überwiegend positiv sind, ein absoluter Nachweis jedoch noch fehlt. Für ein Objekt in dieser Preisklasse ist eine zusätzliche Untersuchung finanziell sinnvoll.

Bewertung und Marktkontext

Authentische Iznik-Schalen aus der goldenen Periode (ca. 1555–1600) erzielten bei jüngsten Auktionen bei Christie's London und Sotheby's New York je nach Zustand, Dekorationsqualität und Provenienz durchgehend zwischen €4,000 und €15,000. Stücke mit dokumentiertem Museumseigentum oder einer Auktionshistorie vor 1950 liegen strukturell höher.

Die Wertindikation von €5,000–€8,000 für dieses Objekt basiert auf vergleichbaren Schalen ohne besondere Provenienz, in gutem bis sehr gutem Zustand und mit vollständig intakter polychromer Dekoration. Restaurierungen, auch geringfügige, verringern den Marktwert um 20–40 Prozent.

Cantagalli (Florence, aktiv ca. 1870–1940) und Samson (Paris) produzierten hochwertige Iznik-Imitationen, die bei oberflächlicher Betrachtung überzeugend wirken. Der Marktwert dieser Stücke liegt zwischen €300 und €1,200. Die Unterscheidung beruht vor allem auf dem erhabenen Tomatenrot und dem Frittware-Scherben, die beide bei diesem Objekt vorhanden sind.

Vollständiger Analysebericht
AntiqBot CeramCheck: Polychrome Iznik-Schale (EN, PDF)
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