ANTIQBOT WEEKLY  #37 Woche 43 • Oktober 2026

Perserteppich: handgeknüpft oder maschinell? Fünf Checks vor dem Kauf

Von der Rückseite bis zu den Fransen: So lesen Sie einen Orientteppich.

Detail eines großen Perserteppichs mit einem roten, gelappten Mittelmedaillon auf einem ockerfarbenen Feld voller Rankenwerk, mit roten und blauen Bordüren

Der Anhalt-Medaillonteppich, Iran, wahrscheinlich erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, Wollflor auf Baumwolle und Seide, asymmetrisch geknüpft, 792 x 419 cm (Detail). The Metropolitan Museum of Art, Gift of Samuel H. Kress Foundation, 1946, gemeinfrei.

Letzte Woche ging es um Grafik an der Wand. Diese Woche blicken wir nach unten, auf das Objekt, auf dem wir buchstäblich stehen. Der Perserteppich liegt in Millionen Wohnzimmern, und er kommt jede Woche auf den Markt: aus Nachlässen, aus Haushaltsauflösungen, auf Catawiki und auf dem Flohmarkt. Doch hinter dem Wort Perser steckt vieles. Ein in Iran handgeknüpfter Teppich, ein Teppich mit persischem Muster aus Indien, Pakistan oder China, ein getufteter Teppich mit geklebter Rückseite oder ein maschinell gewebter Teppich aus Belgien. Von oben können sie sich überraschend ähneln. Drehen Sie den Teppich um, und er erzählt fast immer seine eigene Geschichte. Diese Ausgabe zeigt Ihnen die fünf Checks.

Thema der Woche

Ein handgeknüpfter Teppich entsteht auf einem Webstuhl. Zwischen den senkrechten Fäden, der Kette, knüpft die Knüpferin Reihe für Reihe kleine Stücke Wolle oder Seide fest. Nach jeder Reihe werden ein oder mehrere waagerechte Fäden, der Schuss, eingetragen und angeschlagen. Der Flor, die weiche Oberseite, besteht aus den abgeschnittenen Enden dieser Knoten. Ein mittelgroßer Teppich zählt Hunderttausende bis Millionen Knoten, und eine Knüpferin arbeitet Monate daran, manchmal Jahre.

Ein Maschinenteppich wird auf einem Industriewebstuhl hergestellt, oft im Stil eines Perserteppichs. Dazwischen liegt der getuftete Teppich: Mit einer Pistole werden Garnschlaufen durch ein Gewebe geschossen, die anschließend auf der Rückseite mit Latex verklebt und mit einem zweiten Gewebe abgedeckt werden. Das geht schnell und ist billig, und von oben ähnelt es einem Knüpfteppich. Das Wort Perser auf einem Etikett oder in einer Anzeige sagt also wenig. Entscheidend ist die Konstruktion, und die liest man auf der Rückseite.

Objekt der Woche

Der Teppich auf dem Foto ist der Anhalt-Medaillonteppich, heute im Metropolitan Museum in New York. Er wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Iran geknüpft, unter der Dynastie der Safawiden, als die Hofmanufakturen die großen klassischen Teppiche schufen. Er misst fast acht Meter auf über vier. Die Kette ist aus Baumwolle, der Schuss aus Seide, der Flor aus Wolle, und die Knoten sind asymmetrisch: der sogenannte persische Knoten. Der Name verweist auf das deutsche Fürstenhaus Anhalt, das den Teppich lange besaß.

Achten Sie auf den Aufbau. In der Mitte ein gelapptes Medaillon mit dunklem Herz, darüber und darunter eine kleinere Kartusche, und ringsum ein Feld voller feiner Ranken, Palmetten und Wolkenbänder. Dieses Schema aus Medaillon, Eckstücken und Bordüren wurde in den folgenden Jahrhunderten tausendfach wiederholt, in Städten wie Täbris, Kaschan und Isfahan, und später in Fabriken in aller Welt. Wer heute einen Medaillonteppich kauft, kauft ein Echo von Teppichen wie diesem.

Fünf Checks: handgeknüpft oder nicht
  1. Drehen Sie den Teppich um. Die Rückseite entscheidet das meiste. Bei einem handgeknüpften Teppich sehen Sie das Muster auf der Rückseite fast so scharf wie auf der Vorderseite, aufgebaut aus kleinen, einzelnen Knoten in Reihen, mit kleinen Unregelmäßigkeiten. Bei einem Maschinenteppich ist die Rückseite straff und gleichmäßig wie ein Raster, oft mit sichtbaren Längsfäden und einem Muster, das unschärfer ist als vorne. Sehen Sie ein Gewebe oder eine Latexschicht, die alles bedeckt, dann ist er getuftet: keine Knoten, sondern verklebte Schlaufen.
  2. Die Fransen. Bei einem handgeknüpften Teppich sind die Fransen das Ende der Kette: dieselben Fäden, die durch den ganzen Teppich laufen. Sie kommen aus dem Teppich selbst, oft mit einem Stück Kelim oder einem gewebten Abschluss zwischen Flor und Franse. Bei Maschinen- und Tuftteppichen sind die Fransen meist nachträglich angenäht oder angeklebt, als separater Streifen. Schauen Sie auf der Rückseite, wo die Franse beginnt: Läuft sie in den Teppich weiter, oder ist sie mit einer Naht befestigt?
  3. Öffnen Sie den Flor. Knicken Sie den Teppich leicht, mit dem Flor nach außen, sodass sich der Flor öffnet. Bei einem handgeknüpften Teppich sehen Sie unten die Knoten um die Kettfäden, Reihe für Reihe. Bei einem getufteten Teppich sehen Sie U-förmige Schlaufen in einem Gewebe, ohne Knoten. Bei einem Maschinenteppich sehen Sie ein regelmäßiges Gewebe, in dem der Flor von Schussfäden gehalten wird. Nehmen Sie eine Lupe mit: Knoten sind kleine Schlingen um zwei Fäden, und man erkennt sie, wenn man sie einmal gesehen hat.
  4. Die Farben und der Abrash. Handgesponnene Wolle, die in kleinen Partien gefärbt wurde, nimmt die Farbe nicht überall gleich stark an. In älteren und guten Teppichen sieht man deshalb Bänder, in denen die Farbe um einen Ton springt, den Abrash. Das ist kein Fehler, sondern eine Spur von Handarbeit. Ein Maschinenteppich ist überall exakt gleichmäßig. Achten Sie auch auf Farben, die an den Knoten anders sind als an den Florspitzen: Ein Teppich, der oben weich und verblasst wirkt, am Florgrund aber leuchtend ist, wurde oft chemisch gebleicht oder in der Sonne gealtert.
  5. Die Seiten und die Maße. Die Längsseiten eines handgeknüpften Teppichs sind von Hand umwickelt, die Kante, und verlaufen selten ganz gerade. Ein handgeknüpfter Teppich ist auch nie exakt rechteckig: einige Zentimeter Unterschied zwischen beiden Enden sind normal. Ein Maschinenteppich hat maschinell versäuberte Kanten, oft mit Overlockstich, und exakte Standardmaße wie 160 x 230 oder 200 x 300 cm. Messen Sie deshalb beide Enden und beide Seiten.
Wussten Sie schon

Der älteste erhaltene datierte Perserteppich ist der Ardabil-Teppich im Victoria and Albert Museum in London. Er trägt in einer Kartusche eine Inschrift mit dem Jahr 946 der islamischen Zeitrechnung, also 1539 bis 1540, und den Namen seines Herstellers: Maqsud aus Kaschan. Der Teppich hat einen Zwilling, der heute im Los Angeles County Museum of Art liegt. Im 19. Jahrhundert wurden Teile des einen verwendet, um den anderen zu restaurieren.

Ein anderer klassischer Perserteppich, der sogenannte Clark-Sichelblattteppich aus dem 17. Jahrhundert, wurde 2013 bei Sotheby's in New York für über 33 Millionen Dollar verkauft. Das ist bis heute einer der höchsten Preise, die je für einen Teppich gezahlt wurden. Er zeigt, wie groß der Abstand zwischen einem Museumsstück und dem durchschnittlichen Perserteppich im Wohnzimmer ist.

Vertiefung: der Knoten und das Zählen

Es gibt zwei große Knotentypen. Der symmetrische oder türkische Knoten schlingt einen Wollfaden um zwei benachbarte Kettfäden, wobei beide Enden in der Mitte nach oben kommen. Er wird vor allem in der Türkei, im Kaukasus und in den türkischsprachigen Regionen Irans verwendet, etwa rund um Täbris und Heriz. Der asymmetrische oder persische Knoten umschlingt einen Faden und läuft lose unter dem anderen hindurch, wobei ein Ende zwischen beiden Fäden hervorkommt. Dieser Knoten erlaubt feinere, fließendere Muster und ist in Zentral- und Ostiran sowie in Indien und Pakistan weit verbreitet. Der Knotentyp sagt also etwas über die Region, beweist für sich allein aber nichts: Beide werden auch außerhalb ihres traditionellen Gebiets verwendet.

Die Knotendichte sagt viel über die Feinheit. Zählen Sie auf der Rückseite die Knoten waagerecht auf zehn Zentimetern und die Reihen senkrecht auf zehn Zentimetern. Multiplizieren Sie beide Zahlen, und Sie haben die Knoten pro hundert Quadratzentimeter. Mal hundert ergibt die Knoten pro Quadratmeter. Ein grober Dorf- oder Nomadenteppich liegt bei etwa hunderttausend Knoten pro Quadratmeter, gute Stadtteppiche oft zwischen dreihunderttausend und einer Million, und die feinsten Seidenteppiche aus Ghom oder Isfahan noch höher.

Mehr ist nicht automatisch besser. Ein grob geknüpfter Heriz mit schönen Farben und starker Zeichnung kann mehr wert sein als ein feiner, aber lebloser Stadtteppich. Achten Sie auch auf den sogenannten Jufti-Knoten, bei dem die Knüpferin einen Knoten um vier statt um zwei Fäden legt. Das geht doppelt so schnell, aber der Teppich wird dünner und nutzt sich schneller ab. Man erkennt ihn auf der Rückseite an Knoten, die im Verhältnis zu ihrer Höhe auffallend breit sind.

Markt & Wert

Der Markt für den gewöhnlichen Perserteppich ist in den letzten Jahrzehnten stark gefallen. Dekorative handgeknüpfte Teppiche aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die einst für Tausende Euro im Geschäft standen, gehen heute auf Auktionen und online oft für einige hundert Euro weg, kleine oder abgenutzte Stücke für weniger. Der Geschmack hat sich zu schlichten Einrichtungen verschoben, das Angebot aus Nachlässen ist groß, und der Transport großer Teppiche ist teuer. Maschinen- und Tuftteppiche haben auf dem Gebrauchtmarkt selten mehr als einen Gebrauchswert.

Was seinen Wert behält: alte Dorf- und Nomadenteppiche mit natürlichen Farben und starker Zeichnung, gute Stadtteppiche von vor etwa 1930 in gutem Zustand, feine signierte Stücke aus bekannten Werkstätten und echte Seide. Für solche Teppiche werden auf spezialisierten Auktionen Beträge von einigen tausend bis zu zehntausenden Euro gezahlt, für Spitzenstücke mehr. Der Zustand wiegt schwer: bis auf die Knoten abgelaufener Flor, Löcher, Mottenschäden, verfärbte Flecken oder schlechte Reparaturen können den Wert halbieren.

Ein Faktor außerhalb Europas: Die Vereinigten Staaten haben die Einfuhr iranischer Teppiche 2018 erneut verboten, nach einer kurzen Öffnung im Jahr 2016. Ein amerikanischer Käufer kann sich also nicht einfach einen iranischen Teppich schicken lassen. Für Käufer und Verkäufer in der Europäischen Union gilt dieses Verbot nicht, aber es verkleinert den Markt für neue iranische Ware.

Herkunftsnamen: ein kleiner Leitfaden
  • Täbris. Große Stadt im Nordwesten Irans mit langer Tradition von Stadtteppichen. Oft Medaillons oder Blumenfelder, meist mit dem symmetrischen Knoten, von grob bis sehr fein.
  • Heriz. Dörfer rund um Heriz, östlich von Täbris. Kraftvolle, geometrische Medaillons in Rostrot, Blau und Elfenbein, grob geknüpft und sehr robust. Alte Stücke sind gesucht.
  • Kaschan. Stadt in Zentraliran, bekannt für feine Woll- und Seidenteppiche, oft mit tiefrotem oder blauem Feld und Medaillon. Auch die Stadt von Maqsud, dem Hersteller des Ardabil-Teppichs.
  • Isfahan und Nain. Feine Stadtteppiche mit persischem Knoten, oft mit Seidenkonturen. Nain zeichnet sich durch Elfenbein und Blau aus, Isfahan durch reiche Farben und eine sehr feine Zeichnung.
  • Ghom. Junge Tradition des 20. Jahrhunderts, bekannt für Seidenteppiche mit sehr hoher Knotendichte. Hier wird oft Viskose als Seide verkauft, siehe unten.
  • Kerman. Stadt im Südosten mit langer Tradition und weichen, pastellartigen Farben in Teppichen für den westlichen Markt im frühen 20. Jahrhundert.
  • Ghaschghai, Afschar und Belutsch. Nomaden- und Stammesteppiche mit geometrischen Motiven, Tieren und kleinen Figuren, oft in tiefen Rot- und Blautönen. Grob, aber voller Charakter.
  • Persisches Muster, kein Perserteppich. Buchara aus Pakistan, Indo-Perser aus Indien, chinesische Teppiche im persischen Stil: handgeknüpft, aber nicht aus Iran. Sie werden ehrlich verkauft, wenn sie so beschrieben sind.
Farben: natürlich, synthetisch und künstlich gealtert

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Wolle mit pflanzlichen und tierischen Farbstoffen gefärbt: Krapp für Rot, Indigo für Blau, Färberwau oder Granatapfelschale für Gelb und Kombinationen daraus für Grün und Violett. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen synthetische Anilinfarben auf. Die frühen Varianten waren weder lichtecht noch farbecht: Rot verblasste zu Rosa oder Grau, Violett wurde braun, und manche Farben liefen beim Waschen aus. In späteren Jahrzehnten kamen bessere synthetische Farbstoffe auf den Markt, und die meisten Teppiche des 20. Jahrhunderts sind damit gefärbt. Das ist an sich kein Fehler.

Ein Problem sind die Kunstgriffe, mit denen ein neuer Teppich alt aussehen soll. Eine chemische Wäsche mit Chlor oder Säure dämpft kräftige Farben und gibt einen seidigen Glanz, macht die Wolle aber brüchig. Eine Teewäsche gibt einen gelblichen, antiken Unterton. Teppiche werden manchmal auch monatelang in die Sonne gelegt, oder der Flor wird kurz geschoren, um Abnutzung vorzutäuschen. Und abgelaufene Stellen werden manchmal mit Filzstift oder Farbe nachgefärbt. Sie erkennen das an Farben, die am Florgrund kräftiger sind als an der Spitze, an einer auffallend gleichmäßigen Vergilbung über den ganzen Teppich und an Farbe, die auf ein feuchtes weißes Tuch abfärbt.

Seide, Kunstseide und Viskose

Seidenteppiche sind das teuerste Segment, und deshalb wird dort auch am meisten geschummelt. Viele Teppiche, die als Seide verkauft werden, bestehen aus Viskose, auch Kunstseide oder Bambusseide genannt. Viskose glänzt stark und fühlt sich kühl und glatt an, ist aber viel weniger fest als Seide. Der Flor knickt und verfilzt schnell, und bei Kontakt mit Wasser wird er schlaff und kann sich verfärben.

Der klassische Test ist die Brennprobe: Ziehen Sie einen einzelnen Faden aus der Franse oder einer unauffälligen Stelle und halten Sie ihn vorsichtig in eine Flamme. Echte Seide brennt langsam, riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein sprödes, schwarzes Ascheklümpchen, das sich zerreiben lässt. Viskose brennt schnell mit Flamme, riecht nach verbranntem Papier und hinterlässt feine graue Asche. Tun Sie das nur mit Erlaubnis des Verkäufers und nie am Teppich selbst. Ohne Brennprobe hilft schon der Preis: Ein echter, feiner Seiden-Ghom in ordentlicher Größe kostet im Geschäft nie nur einige hundert Euro.

So kaufen Sie einen Teppich auf dem Markt und online

Auf dem Markt: Drehen Sie den Teppich immer um, auch wenn er schwer ist. Achten Sie auf die Knoten auf der Rückseite, die Fransen, die Seiten und die Maße. Öffnen Sie den Flor, um die Knoten zu sehen. Reiben Sie mit einem feuchten weißen Taschentuch über eine dunkle Farbe, um zu sehen, ob sie abfärbt. Schauen Sie im Gegenlicht nach dünnen Stellen und Löchern, und riechen Sie daran: Ein muffiger Geruch kann auf Feuchtigkeit oder Schimmel hinweisen. Das dauert fünf Minuten und verhindert die meisten Fehlkäufe.

Online: Bitten Sie immer um ein Foto der gesamten Rückseite, ein Detail der Rückseite mit einem Lineal daneben, ein Foto beider Fransen und einer Seite. Mit einem Lineal im Bild können Sie die Knoten selbst zählen. Lesen Sie die Beschreibung auf die Wörter hin, die den Unterschied machen: handgeknüpft ist etwas anderes als handgefertigt, handgetuftet oder maschinell. Persisches Design oder Perser-Stil bedeutet oft nicht aus Iran. Fragen Sie nach den genauen Maßen beider Enden.

Denken Sie an die Kosten nach dem Kauf. Ein großer, schmutziger oder beschädigter Perser kann eine professionelle Wäsche, eine Kantenreparatur oder neue Fransen brauchen, und das kostet schnell mehr als der Teppich auf der Auktion. Rechnen Sie diese Kosten in Ihr Gebot ein.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Perserteppich handgeknüpft ist? Drehen Sie ihn um. Bei einem handgeknüpften Teppich ist das Muster auf der Rückseite scharf und aus kleinen, einzelnen Knoten in Reihen aufgebaut. Die Fransen sind das Ende der Kettfäden und laufen in den Teppich weiter. Bei einem Maschinenteppich ist die Rückseite straff und gleichmäßig, bei einem getufteten Teppich bedeckt ein Gewebe oder Latex die Rückseite.

Was ist der Unterschied zwischen handgeknüpft und handgetuftet? Bei handgeknüpften Teppichen wird jeder Knoten einzeln um die Kettfäden gelegt, was Monate dauert. Bei handgetufteten Teppichen schießt eine Pistole Garnschlaufen durch ein Gewebe, die auf der Rückseite mit Latex verklebt werden. Ein getufteter Teppich ist viel billiger, weniger haltbar und auf dem Gebrauchtmarkt wenig wert.

Wie zähle ich die Knoten eines Teppichs? Zählen Sie auf der Rückseite die Knoten auf zehn Zentimetern Breite und die Reihen auf zehn Zentimetern Höhe. Multiplizieren Sie beide Zahlen und dann mit hundert: Das ist die Zahl der Knoten pro Quadratmeter. Grobe Teppiche liegen bei etwa hunderttausend, feine Stadtteppiche oft über dreihunderttausend.

Ist mein Seidenteppich wirklich aus Seide? Viele sogenannte Seidenteppiche sind aus Viskose. Mit Erlaubnis des Verkäufers können Sie einen losen Faden aus der Franse verbrennen: Seide riecht nach verbranntem Haar und hinterlässt ein sprödes Ascheklümpchen, Viskose riecht nach verbranntem Papier und hinterlässt feine graue Asche. Ein sehr niedriger Preis für einen großen Seidenteppich ist bereits eine Warnung.

Was ist mein Perserteppich wert? Das hängt zuerst davon ab, ob er handgeknüpft ist, und dann von Region, Alter, Feinheit, Farben und vor allem vom Zustand. Gewöhnliche dekorative Teppiche des 20. Jahrhunderts gehen heute oft für einige hundert Euro weg. Alte Dorf- und Stadtteppiche in gutem Zustand, feine signierte Stücke und echte Seide können viel mehr erzielen. Maschinen- und Tuftteppiche haben meist nur einen Gebrauchswert.

Hinter den Kulissen

Bei einem Teppich schaut AntiqBot auf das, was ein Foto zeigen kann: Muster und Komposition, Farben, Bordüren, Fransen und, wenn Sie sie mitschicken, die Rückseite und die Knoten. Daraus erkennt AntiqBot Typ und Region und vergleicht mit bekannten Verkäufen. Ein Foto nur der Vorderseite ist für einen Teppich zu wenig. Tipp: Fotografieren Sie den ganzen Teppich gerade von oben, die gesamte Rückseite, ein Detail der Rückseite mit einem Lineal daneben und eine Franse aus der Nähe.

Frage der Woche

„Ich habe einen Perserteppich geerbt, auf dessen Etikett ‚100 % Wolle, handgefertigt‘ steht. Dann ist er doch geknüpft?“

Nicht unbedingt. Handgefertigt ist ein weiter Begriff, und auch ein handgetufteter Teppich fällt darunter. Drehen Sie den Teppich um. Sehen Sie auf der Rückseite ein scharfes Muster aus kleinen Knoten in Reihen, und laufen die Fransen als Ende der Kettfäden weiter, dann ist er geknüpft. Bedeckt ein Gewebe oder eine Latexschicht die ganze Rückseite, dann ist er getuftet: von Hand gemacht, aber kein Knüpfteppich, und auf dem Gebrauchtmarkt viel weniger wert. Ein Etikett mit Herkunft und Knotendichte ist nützlich, aber der Teppich selbst ist das zuverlässigste Dokument.

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